Chatten ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Und das nicht erst seit den Ereignissen des aktuellen Jahres. Schon lange wechseln viele Menschen mehr Wörter über WhatsApp als im persönlichen Gespräch. Es ist ganz selbstverständlich geworden, unabhängig von Zeit und Ort mit Freunden und Familie im Kontakt zu bleiben. Wer eine kurze Textnachricht verschickt, erhält meist in Minuten oder sogar in Sekunden eine Antwort. Und wer das Handy einmal ein paar Stunden zur Seite legt, muss sich dafür gelegentlich auch rechtfertigen. Das war nicht immer so. In seiner Anfangszeit war der Chat ein absolutes Nischenphänomen.  Mehr als zwei Jahrzehnte sollte es dauern, bis diese neue Form der Kommunikation im Mainstream ankam. 

Die Anfänge: Talkomatic und IRC

Das erste Chatprotokoll wurde schon 1973 unter dem Namen Talkomatic ins Leben gerufen, noch bevor das eigentliche Internet überhaupt existierte. Talkomatic wurde auf dem PLATO-Netzwerk genutzt, das vor allem Computer in Bildungseinrichtungen der USA miteinander verband. In den 80er Jahren wurde eine Reihe von weiteren Chatprogrammen erschaffen und 1989 fand zum ersten Mal ein Chat zwischen Nutzern auf unterschiedlichen Kontinenten statt. Mit der zunehmenden Verbreitung des Internets in den 90er Jahren wuchs auch das Interesse an Chatprogrammen. Eine wichtige Rolle spielte beispielsweise der Internet Relay Chat, kurz IRC, der 1988 in Finnland ins Leben gerufen wurde. Auch dieses Programm war zunächst vor allem an Universitäten und anderen Institutionen verbreitet und erreichte mit der Zeit eine immer größere Nutzerzahl. Zum Höhepunkt seiner Beliebtheit um die Jahrtausendwende hatte IRC rund eine Million Nutzer. Heutzutage fristen Dienste wie IRC nur noch ein Nischendasein, denn sie wurden mit der Zeit von Programmen abgelöst, die deutlich massentauglicher waren. 

In den Mainstream: MSN und ICQ

Ende der 90er Jahre kamen erstmals Anwendungen wie der AOL Instant Messenger, MSN oder ICQ auf den Markt. Sie richteten sich in erster Linie an Privatanwender und konnten damit eine viel größere Nutzerbasis erreichen. Innerhalb weniger Jahre überholten sie ihre Vorgänger und erreichten hunderte Millionen Nutzer auf der ganzen Welt. Besonders in den USA hatte AOL lange die Marktführerschaft inne, nachdem es den Rivalen ICQ aufgekauft hatte. Eine Rivalität zwischen AOL und dem Konkurrenten Microsoft mit seinem MSN-Messenger wurde 1999 auch als „Chat War“ bezeichnet. Die Chatanwendungen der 90er und frühen 2000er Jahre wurden als PC-Programme installiert und gerieten daher unter Druck, als die ersten Smartphones eingeführt wurden. Obwohl sie bald auch als Smartphone-Apps erhältlich waren, konnten sie sich nie wirklich etablieren und führten auf der neuen Plattform ein Schattendasein. Da die Nutzung von Chatprogrammen auf dem PC mit dem Siegeszug der Smartphones schlagartig zurückging, brachen ihre Nutzerzahlen innerhalb weniger Jahre ein. Während der AOL-Messenger 2017 ganz eingestellt wurde und der MSN-Messenger von Microsoft durch Skype ersetzt wurde, hat sich die Marke ICQ vor allem in Russland besser gehalten.

Online Gaming und der Chat

Eine neue Anwendungsmöglichkeit für Chatfunktionen entstanden auch durch das Aufkommen von Multiplayer-Spielen im Internet. Frühe Online-Spiele hatten teilweise eine eingebaute IRC-Funktion. Spieleentwickler bauten aber auch bald eigene Chatfunktionen ein, die auf die Bedürfnisse der Community abgestimmt werden. Heutzutage ist der Chat ein fester Bestandteil vieler Onlinespiele und wesentlich für den Aufbau eines Gemeinschaftsgefühls unter den Spielern verantwortlich. Das Konversationsklima ist dabei unterschiedlich. So sind viele Actionspiele dafür bekannt, dass es im Chat sehr rau zugeht. Beleidigungen und persönliche Angriffe sind dort an der Tagesordnung. Deutlich gesitteter geht es hingegen in Live Casinos zu, wo ebenfalls während des Spiels gechattet werden kann. Da die Spieler sich bei Spielen wie Roulette oder Blackjack in einer kleinen Runde befinden, ist die Stimmung hier deutlich entspannter. Zudem achten die Casinobetreiber in der Regel auf einen guten Ton. Die Dynamik im Chatverlauf hat einen großen Einfluss darauf, welche Zielgruppe sich durch Spiele angesprochen fühlt und wie wohl sich neue Spieler fühlen. Leider fallen gerade bekannte Spiele wie League of Legends oder Call of Duty immer wieder durch eine schlechte Atmosphäre auf. Das trägt nicht gerade dazu bei, den Ruf von Computerspielen zu verbessern.

WhatsApp, Messenger, Telegram

Online Games sind natürlich nur ein Nebenschauplatz in der Welt des Chats. Der Großteil des Geschehens spielt sich heutzutage auf Smartphone-Apps wie WhatsApp oder dem Facebook Messenger ab. WhatsApp wurde 2009 als Start-up in Kalifornien gegründet und die App war innerhalb von zwei Jahren in den Top 20 des App Store von Apple. Schon 2013 hatte die Plattform rund 200 Millionen Nutzer und wurde mit stattlichen 1,5 Milliarden US-Dollar bewertet. Damit zog das Unternehmen auch die Aufmerksamkeit des Facebook-Konzerns auf sich, der das Start-up nur ein Jahr später für 19 Milliarden US-Dollar übernahm. Damit baute Facebook seinen Vorsprung als führender Anbieter von Online-Kommunikation weiter aus. Heutzutage werden Tag für Tag Milliarden von Nachrichten auf Chatdiensten wie WhatsApp oder dem Facebook Messenger ausgetauscht. Kürzel wie „lol“ die früher gebräuchlich waren, gehören dabei der Vergangenheit an. Stattdessen hat sich eine regelrechte Emoji-Sprache entwickelt, die Jahr für Jahr vielschichtiger wird. In letzter Zeit haben zunehmend auch privatsphäreorientierte Chatprogramme wie Telegram Marktanteile dazu gewonnen. Es dürfte aber klar sein, dass Facebook noch lange Zeit die Nummer eins in der Welt des Chats bleiben dürfte.

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